Social Web und Recht

Christa SchwemleinZu unserem Kundenstamm zählen neben Privatkunden auch die so genannten KMU’s, kleinere und mittlere Unternehmen. Für diese Kunden ist Social Media, obwohl es derzeit ein Trendthema ist, immer noch Neuland. Sie wissen nicht recht, was sie davon zu halten haben, ob sie mitmachen oder es vernachlässigen sollen. Ob die Chancen, die man Social Media nachsagt, die damit verbundenen Risiken auch aufwiegen?

Vorweg: Das Internet ist kein rechtsfreier Raum. Es wäre gelogen zu behaupten, dass Social Media ohne jegliche Rücksicht auf juristische Überlegungen betrieben werden kann. Auch im Netz müssen die rechtlichen Rahmenbedingungen eingehalten werden. Aber gerade auf rechtlichem Gebiet lauern viele Fallstricke. Immer wieder hört man von Abmahnungen und den damit verbundenen Kosten. Doch was ist verboten und was ist erlaubt?
Die Unsicherheit ist groß. „Aber das machen doch alle.“ Diesen Satz höre ich immer wieder. Es ist mir unangenehm, wenn ich als juristischer Laie Agenturleute darauf aufmerksam machen muss, dass das, was alle machen, noch lange nicht rechtens ist.

Impressumspflicht

Es fängt schon beim Impressum an – je nach Rechtsform und Art des Anbieters sind unterschiedliche Angaben erforderlich. Stellt zum Beispiel ein Unternehmen eine unwahre Behauptung auf, muss die Möglichkeit einer Gegendarstellung gegeben sein. Dazu muss man wissen, mit wem man es zu tun hat. Genau diese Informationen findet man im Impressum, auch Anbieterkennzeichnung genannt. Hier gilt die „2-Klick“ Regel, d.h. das Impressum sollte mit zwei Mausklicks erreichbar sein und zwar von jeder einzelnen Seite.
Informationen über das Unternehmen braucht es aber nicht nur, wenn gegen dieses rechtlich vorgegangen werden muss. Sie dienen auch zur Wahrung einer freien und nicht manipulierten Meinungsbildung. Es ist wichtig zu wissen, wer da Informationen und Meinungen verbreitet, wer für bestimmte Produkte Stimmung macht. „Mädchen, Sie müssen doch wissen mit wem Sie es zu tun haben“, fuhr mich einer meiner Ausbilder einst in harschem Ton an. Diese Rüge liegt inzwischen 40 Jahre zurück, ist aber noch immer sehr präsent. Ja und von hier kann ich nahtlos zur Werbung, dem nächsten großen Gefahrenfeld, überleiten.

Werbung

Social Media lebt vom Austausch und von Empfehlungen, was letztendlich auch die Kaufentscheidungen vieler Menschen beeinflusst. In den sozialen Netzwerken werden wir mit einer Flut von Werbung konfrontiert. Sie ist auch hier allgegenwärtig. Nicht, dass Sie mich missverstehen. Ich habe nichts gegen Werbung. Wer verkaufen will muss werben! Die Werbung ist ein Instrument der Marketing-Kommunikation, welches auch meinem Mann und mir ermöglicht, auf unseren Computer-Service aufmerksam zu machen. Wer nicht wirbt der stirbt! Jedoch haben Wettbewerb und Werbung in unserer modernen Gesellschaft inzwischen einen so hohen Stellenwert eingenommen, dass sich der Gesetzgeber veranlasst sieht, durch die Gesetzgebung die Verbraucher vor Missbräuchen zu schützen. Was gibt es zu beachten, wenn ein Unternehmen, und sei es noch so klein, Social Media für Marketing-Zwecke nutzen will?

Oberstes Gebot: Werbung muss als solche klar erkennbar sein. Große Vorsicht ist vor allem im Bezug auf verschleierte Wettbewerbshandlungen geboten. Sie liegt dann vor, wenn sich Unternehmen als private Nutzer tarnen, sich positiv über ihre Produkte äußern und ihre „Erfahrungsberichte“ in den sozialen Netzwerken verbreiten. Ein solches Vorgehen schafft nicht nur ein Klima des Misstrauens, es ist illegal und verboten. Das Wettbewerbsrecht sagt hierzu:

Unlauter handelt insbesondere, wer den Werbecharakter von geschäftlichen Handlungen verschleiert“ (§ 4 Nr.3 UWG)

Übrigens, auch das Fälschen von Kundenmeinungen auf der eigenen Webseite ist wettbewerbswidrig.

Weitere rechtliche Verstöße betreffen das

Urheberrecht

Bei meinem Eintritt ins Netz war ich immer wieder erstaunt, wie wenige Menschen das Urheberrecht beachteten. Ganze Buchseiten waren ohne Quellenangabe in Newsletter kopiert, Gedichte ohne Nennung des Verfassers ungeniert zitiert. Ich gestehe, ich war damals sehr verunsichert, dachte in eine andere Welt eingetaucht zu sein. Eine Urheberrechtsverletzung liegt auch dann vor, wenn man zum Beispiel einen Zeitungsartikel auf seiner Webseite veröffentlicht. Es ist selbst dann ein Verstoß, wenn Verfasser und die Quelle genannt werden oder man selbst diesen Artikel für einen Auftraggeber geschrieben hat. Das ist mir kürzlich passiert. Learning by doing nennt man das. Die Sache ging zum Glück glimpflich aus. Man hat mich darauf aufmerksam gemacht und ich habe den Artikel entfernt. Dennoch kann man deswegen verklagt und bestraft werden. Unternehmen sollten sich darüber im Klaren sein, dass laut Urheberrecht die Verwendung von fremden Werken eingeschränkt ist. Deshalb gilt: Wer fremde, urheberrechtlich geschützte Inhalte verwenden will, muss die erforderlichen Nutzungsrechte einholen. Fragen kostet nichts. Im schlimmsten Fall gibt’s ein Nein.

Dies ist nur ein winzig kleiner Auszug von Punkten, der aus rechtlicher Sicht vor dem Sprung ins Netz beachtet werden sollte. Seit unserer Firmengründung haben mein Mann und ich uns auf diesem Gebiet ständig informiert und weitergebildet. Bei einer IHK Veranstaltung in Mannheim lernten wir den Rechtsanwalt Dr. Carsten Ulbricht kennen. Er ist auf Internet und Social Web spezialisiert und war mein Dozent im Fächerblock „Recht im Social Web“ während meines „Social-Media-Basislehrgangs“ im Sommer 2010. Gerne erinnere ich mich auch an den dreistündiger Vortrag in Mannheim, zu dem die IHK im Herbst 2009 eingeladen hatte – kurzweilig, spannend und humorvoll. Wir waren damals nur ein kleines Häufchen interessierter Zuhörer. Doch das Interesse nimmt zu und die Entwicklungen im Social Web schreiten fort. Deshalb möchte ich Sie heute auf das Buch von Dr. Carsten Ulbricht, Social Media und Recht – Praxiswissen für Unternehmen aufmerksam machen. Es wird am 16. März im Haufe-Verlag erscheinen. Neben den rechtlichen Rahmenbedingungen finden sich in dem 220 Seiten starken Buch auch konkrete Praxishinweise für kleinere und mittlere Unternehmen, die so genannten KMU’s. ;-) Nähere Informationen, sowie ein Inhaltsverzeichnis und zwei Leseproben gibt es auf dem „LawBlog“ von Dr. Ulbricht.

Christa Schwemlein

Wenn es nichts mehr zu “gucken” gibt – von Cookies und Icons

Christa SchwemleinViele Probleme tauchen immer wieder auf. Auch die nachfolgende Episode, die ich vor Jahren in meinem privaten Blog veröffentlichte, war jüngst wieder brandaktuell.

***

”Hallo Frau Schwemlein, ich brauche ganz dringend Ihren Mann.”

“Oh, das tut mir Leid. Mein Mann ist unterwegs und so viel ich weiß, wird es heute sehr spät werden.”

“Vielleicht können ja Sie mir helfen?”  -

Obwohl ich wirklich herzlich wenig Ahnung auf diesem speziellen Gebiet habe, konnte ich dem einen oder anderen Kunden in der Vergangenheit behilflich sein. Um was es ginge wollte ich wissen.

“Ich möchte meinem Sohn, wissen Sie dem Großen, der, der in Amerika lebt eine E-Mail zum Geburtstag schreiben und jetzt sind alle meine Cookies weg.”

“Aber zum E-Mail schreiben brauchen Sie doch gar keine Cookies”, tröstete ich sie. “Und außerdem ist es gut, wenn Sie ab und an die Cookies auf ihrem Computer löschen”

“Aber ich kann doch ohne diese Cookies gar keine Mail schreiben,” fuhr sie verzweifelt fort.

Ich konnte mir das Problem unserer Kundin so gar nicht vorstellen und bot ihr an, mal kurz vorbei zu kommen. Ihre Erleichterung und die Freude, dass sich jemand ihres Problems annahm, spürte ich sehr deutlich. 10 Minuten später war ich bei ihr. Sie führte mich umgehend ins Wohnzimmer an ihren PC, der bereits gestartet war.

Sehen Sie alle Cookies sind weg” und dabei deutete sie auf den Bildschirm, auf dem nur das Windows-Hintergrundbild ohne ein einziges Icon zu sehen war. Ungläubig fragte ich, an was sie denn sehe, dass die Cookies verschwunden seien.

“Ah, weil halt auf dem Bildschirm nix mehr zu gucken da ist”, war ihre logische Antwort.

Ich musste mir das Lachen verkneifen, konnte aber ihr Problem sehr gut verstehen, da ich in der Vergangenheit mit ähnlichen Problemen zu kämpfen hatte.

“Achtung, jetzt kommt die Fachfrau“, grinste ich. “Sehen Sie, so einfach geht das bei Windows XP.”

• Rechte Maustaste auf den Bildschirm-Hintergrund

• Symbole anordnen

• Desktopsymbole anzeigen

• alle “Guckies” sind wieder da

• Problem gelöst

• FERTIG!

Ich erklärte ihr noch den Unterschied zwischen Cookies und “Guckies”, die man übrigens “Icons” nennt, und zeigte ihr wie die richtigen “Cookies” zu löschen sind. Anschließend tranken wir noch einen Kaffee und ich bekam die Erlaubnis, diese Episode zu veröffentlichen. Ja, und das war vor fast genau vier Jahren. Aber die Probleme gleichen sich noch immer.

In diesem Sinne, AHOI! Heut’ ist Altweiberfasching, nur mal eben so nebenbei. :-)

Ihre
Christa Schwemlein

E-Mail-Sicherheit

Ein alter Araber …


… lebt seit mehr als vierzig Jahren in der Nähe von New York.

Er würde gerne in seinem Garten Kartoffeln pflanzen, aber er lebt alleine und ist alt und schwach. Sein einziger Sohn studiert in Paris. Eines Tages schreibt er seinem Sohn eine E-Mail und schildert das Problem:

Lieber Ahmed,

ich bin tief traurig, weil ich in meinem Garten keine Kartoffeln mehr pflanzen kann. Ich bin sicher, wenn du hier wärest würdest du mir helfen den Garten umzugraben.

Ich liebe dich.
Dein Vater.

Tags d’rauf erhält der alte Mann folgende E-Mail:

Liebster Vater,

bitte mache nichts im Garten. Dort habe ich *die Sache* versteckt.

Ich liebe dich auch.
Dein Ahmed

Um vier Uhr morgens kommen die US Army, die Marines, das FBI und die CIA zu dem alten Mann. Sie suchen überall, in den Schränken, unterm Bett und nehmen, da sie im Haus nichts finden, den ganzen Garten auseinander. Sie suchen jeden Millimeter ab, finden jedoch nichts. Enttäuscht gehen sie wieder weg.

Am darauf folgenden Tag erhält der alte Mann wieder eine E-Mail von seinem Sohn:

Lieber Vater,

ich hoffe, dass der Garten mittlerweile umgegraben ist und du die Kartoffeln jetzt pflanzen kannst. Mehr konnte ich für dich auf die Entfernung nicht tun.

In Liebe dein Ahmed

Quelle: mir unbekannt

***

Zwar gilt für E-Mails auch das Postgeheimnis, aber so wie jeder Briefträger eine Post- oder Ansichtskarte lesen kann, so kann auch jeder mit dem E-Mailtransport befasste Admin jede E-Mail lesen. Deshalb gilt: Entweder E-Mails verschlüsseln, darüber wird mein Mann bei Gelegenheit schreiben, oder nur Nachrichten per E-Mail übermitteln, die man auch auf eine Postkarte schreiben würde.

Wie so viele Erfindungen der Menschen kann auch das Internet für Vergehen missbraucht werden, ohne dass deshalb am grundsätzlichen Wert gezweifelt werden muss.

In diesem Sinne
Christa Schwemlein

Nachtrag am 15.02.2012
Passend zu diesem Thema habe ich heute den Artikel “Saubere und sichere E-Mail-Konten” gefunden. Er ist erschienen im Blog “Meine Firma und ich”, ein Produkt von Haufe-Lexware. Das Blog richtet sich an Selbständige, Freiberufler und Kleinunternehmer.

Aus die Maus

Hallo Frau Schwemlein. Ihr Mann war gestern bei mir und hat mir eine Funkmaus für mein neues Notebook gebracht. Sagen Sie mal, kann es sein, dass die Batterie schon leer ist?

Hm, das ist nicht auszuschließen, ich kann es mir aber nicht so recht vorstellen. Eigentlich dürfte das bei einer neuen Maus ja nicht sein. Ich sag’ meinem Mann Bescheid. Wenn er es zeitlich schafft, schaut er später noch bei Ihnen vorbei.

Oh ja, das ist nett.

Am Abend frage ich meinen Mann, ob er denn noch bei unserer Kundin war.

Ja, alles in Ordnung

An was lag’s denn?

Hm, keine Ahnung.

Schön, manchmal lösen sich Probleme von ganz alleine.

Ja – (wir lachen beide)

Am nächsten Tag ruft unsere Kundin wieder an.

Frau Schwemlein, das ist mir jetzt furchtbar peinlich. Gestern war ihr Mann hier und die Maus funktionierte wunderbar. Aber jetzt habe ich wieder das gleiche Problem wie gestern. Nichts geht mehr richtig. Schiebe ich die Maus nach oben, so geht der Mauszeiger nach unten. Die Maus macht g’rad was sie will. – (Kundin lacht)

Merkwürdig, am besten Sie rufen meinen Mann auf dem Handy an. Haben Sie die Nummer?

Ja.

Anruf nach einer Stunde

Frau Schwemlein ich kann Ihren Mann leider nicht mehr erreichen. (schallendes Gelächter am anderen Ende der Leitung) Sagen Sie ihm bitte er muss nicht mehr kommen. Die Maus geht wieder.

Wie? Was haben Sie denn gemacht?

Wollen Sie das wirklich wissen?

Na klar.

Das Problem saß vor der Maus. Ich halte sie jetzt richtig herum. Kein Wunder, dass die Maus bei Ihrem Mann funktioniert. Er weiß halt wie man eine Funkmaus richtig hält.

Wie man eine Funkmaus richtig hält

Tja, manchmal kann so ein kleines Mäuschen so große Sorgen bereiten. ;-)

In diesem Sinne
Christa Schwemlein

Thekengespräche

„Eignet sich Social-Media auch für mich?  Ich frag’ mich was es mir bringt, wenn ich auf diesen Zug springe? Bin ich altmodisch, wenn ich mich diesem Trend nicht anschließe?”

Diese und ähnliche Fragen wurden während unseres zweitägigen Gemeindefestes lebhaft an der Theke meines Mannes diskutiert. Sie sehen, Christen haben neben ihrem Glauben durchaus auch noch andere Themen. ;-)

Ein Thekengespräch

Spaß beiseite. Social Media liegt im Trend und die Schar der Anhänger wächst ständig. Bei Antworten zu derartigen Fragen muss ich jedoch immer aufpassen, dass ich wegen meiner Begeisterung für die Sache nicht jemanden zu etwas rate, was er am Ende gar nicht benötigt.

Deshalb betone ich gleich zu Beginn solcher Gespräche, dass ich mir meine Arbeit ohne das Internet, ohne Computer und ohne die modernen Medien überhaupt nicht mehr vorstellen kann, ich aber immer noch ganz konservativ Weihnachtskarten schreibe, Bücher lese und mein Handy mehr aus als an ist. Freunde und Bekannte treffe ich nach wie vor persönlich. Auf Facebook pflege ich nur einen kleinen „Freundeskreis“. Google+ nutze ich noch nicht und den tieferen Sinn von Twitter habe ich bis heute nicht verstanden. Deshalb würde ich mich aber nicht als altmodisch bezeichnen.

Das „Social- oder Mitmachweb“ nutze ich überwiegend zur Informationsgewinnung. Mein “ver-ruecktes” Blog betreibe ich als Hobby, genauso wie andere Menschen eben stricken oder kegeln. Egal wie man zu den sozialen Medien steht, ob man sie mag oder nicht mag, die Entwicklung schreitet fort und keiner kann die Uhr zurückdrehen.

Bleibt die Frage: Muss ich da als kleines Unternehmen mitmachen? Ehrliche Antwort? Ich weiß es nicht. An dieser Stelle fällt mir ein Zitat von Mirco Lange, dem Inhaber der PR-Agentur talk@bout und meinem Dozenten an der ”Social-Media-Akademie” bei einer Twittwochveranstaltung in Mannheim ein.

Wer im realen Leben nicht kommunizieren kann, kann es auch im “Social-Web” nicht.

Was meint: Wer im normalen Leben keine Geschäfte abschließen kann, kann es auch im “Social-Web” nicht. Deshalb bleiben Sie gelassen. Fans und User sind noch lange keine zahlenden Kunden. Was nützen mir zig- tausend Fans und User, wenn ich nichts zu beißen habe? Die Kunst besteht darin Fans und User in treue Kunden zu verwandeln. Und wenn Ihnen dies außerhalb des Netzes gelingt, dann sind Sie auf der richtigen Seite und zeitgemäß aber auf keinem Fall altmodisch.

Wie auch immer Sie sich entscheiden, für oder gegen “Social Media”, ich wünsche Ihnen auf jeden Fall viel Erfolg.

Ihre
Christa Schwemlein