Sie oder Du?

„Über den Umgang mit Menschen“ zählt zu einem der bekanntesten Bücher desChrista Schwemlein Bestsellerautors Adolph Freiherr von Knigge. Heute ist „Knigge“ ein Synonym für höfliches Verhalten und wen wundert’s, dass im Zeitalter des Internets „Knigge“ in Form von „Netiketten“ eine Renaissance erlebt.

Mit der Höflichkeit und dem Respekt ist das ja so eine Sache. An meinem Arbeitsplatz werde ich normalerweise gesiezt. Nicht aber wenn ich bei einer schwedischen Firma arbeite, wo das „Du“ gang und gäbe ist. Mit dem ersten „Hey du“ war ich in den 80ern in die große schwedische Familie aufgenommen. Ehrlich, nicht immer war mir wohl mit diesem egalisierenden „Du“. Schließlich war ich neu in dem Unternehmen, stand am Anfang meines Berufslebens und hatte einen Mordsrespekt vor meinen Vorgesetzten.

Seit der Einführung des Internets sind auch hier zu Lande die „Duzfreunde“ auf dem Vormarsch. In den sozialen Netzwerken wird das kollegiale „Du“ bevorzugt. Es soll einen wohlwollenden und vertrauensvollen Umgang miteinander signalisieren. Ich weiß nicht wie es Ihnen damit geht, aber ich empfinde dieses unvereinbarte „Du“ ungewohnt und je nachdem von wem es kommt auch ausgesprochen unhöflich. Mittlerweile gibt es eine Zwischenlösung: Das  „BLOG-DU“.

Analog zum „Arbeits- Du“, wo sich für die Zeit der gemeinsamen Arbeit alle duzen und man danach wieder zum Sie übergeht, duzt man sich im Blog und wechselt bei einer persönlichen Begegnung, sofern man nicht ohnehin „per Du“ ist, zum förmlichen Sie. Meine Erfahrung mit dieser Lösung? Diesen Schwank aus meinem Leben, den erzähle ich Ihnen bei Gelegenheit auf meinen ver-rueckten Seiten. :-)

Auch wenn ich damit gegen den Strom schwimme, so mag ich mich im Internet nicht anders verhalten wie im realen Leben auch. Deshalb habe ich mich für die Anrede in den Beiträgen für das respektvolle „Sie“ entschieden, das aber durchaus von Herzen kommt. In den Kommentaren verhalte ich mich wie es unter erwachsenen Menschen üblich ist. Menschen, die ich nicht kenne begegne ich mit Sie. Bei Menschen, mit denen ich bereits “per Du” bin, bleibts beim Du. Ganz einfach, oder? ;-)

So und jetzt hoffe ich, dass das Eis gebrochen ist und wir endlich anfangen dieses Blog mit Inhalt zu füllen. Warum der Start so lange dauert? „In jedem Anfang wohnt ein Zauber inne“ und ich gestehe, den wollte ich mir so lange als möglich bewahren. ;-)

In diesem Sinne

Ihre
Christa Schwemlein

5 Anmerkungen zu “Sie oder Du?

  1. Angelika Engler sagt:

    Hallo Christa,
    mir geht es da wie Dir. Ich mag dieses eingebürgerte oder wie auch immer “DU” nicht und es stört mich auch, wenn ich von Menschen, die ich nicht oder nur flüchtig kenne, gleich mit der vertrauten Anrede angesprochen werde. Ich halte mich im Internet, wie auch im richtigen Leben, an das respektvollere “SIE” und das, egal wie alt mein “gegenüber” ist.

  2. Christa sagt:

    Hallo Angelika,
    wir beide bleiben beim “DU” – gell? Ja ich muss zugeben, für mich war das bei meinem Eintritt ins Internet sehr befremdlich von allen geduzt zu werden, insbesondere von Menschen, die hätten meine Kinder sein können.
    Lieben Gruß und frohes Schaffen.
    Christa

    P.S. Übrigens, künftig müssen deine Kommentare nicht mehr auf Freischaltung warten, sofern du dich mit den gleichen Daten anmeldest. Das ist nur beim ersten Mal, um zu sehen wer da kommt. Du weißt ja, das Internet ist nicht immer eine friedliche Welt. ;-)

  3. Ewald sagt:

    Liebe Christa,
    wie versprochen habe ich mich auf “eurem” blog umgesehen. Und hier bin ich dann gelandet, weil zwei Dinge mich besonders berührt haben.
    Das eine, die Sache mit dem “Du” was mich persönlich auch schon altersbedingt immer wieder mit guten ” Freunden” mit
    verbindet. Das “Arbeits-Du” wie du es nennst ist die abgeflachte Form der heute oft etwas entwerteten Beziehungen. Seien sie nun virtuell oder real. Wir beide aber, dürfen das Du ohne Einschränkung benutzen, weil es auf einer tiefgreifenden gemeinsamen ” Seelenerfahrung” beruht.
    Die zweite Sache ist der Ausschnitt aus dem Gedicht von Hesse ” Stufen”. Ja “und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne” der uns beschützt und der uns hilft zu leben. Und Leben bedeutet Entwicklung, Veränderung,
    Hesse schreibt ja auch in Stufen weiter,
    “Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise und traulich eingewöhnt, so droht Erschlaffen. Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen”.
    Das ist es wohl was Menschen wie dich und auch mich antreibt, Veränderung nicht nur zu denken sondern sie auch umzusetzen.
    Ich wünsche dass dir der Mut zum Aufbruch lange erhalten bleibt.
    Denn Hesse sagt ja am Ende von ” Stufen”
    ” Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…………”
    Einen erholsamen Sonntag noch und viel Erfolg mit deinem/eurem neuen blog.
    Liebe Grüße Ewald

    • Christa sagt:

      Lieber Ewald,

      vielen lieben Dank für den wertschätzenden Kommentar. Wertschätzend deshalb, weil ich feststelle, dass du unsere „Posts“ wirklich gelesen, oder wie man „bloggisch“ sagt, du mir zugehört hast. Musste ich doch selbst nachsehen in welchem Beitrag ich von einem neuen Aufbruch sprach. In der virtuellen Kommunikation ist, auch wenn es von vielen Webevangelisten so oft in den Mund genommen wird, das „Zuhören“, das genaue „Hinhören“ eher eine Seltenheit. Noch immer gibt es mehr Sender als Empfänger.

      “Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise und traulich eingewöhnt, so droht Erschlaffen. Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise, mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.” Schön, wie du Hesse weiter zitierst. Ich muss schmunzeln, weil ich gerade mit diesen Zeilen derzeit so manch’ neue Erfahrungen sammle, real und auch im Netz.

      „Einen neuen Aufbruch wagen“ ist das Motto des 98. Katholikentages, der im Mai in Mannheim stattfinden wird. Viele wollen einen neuen Aufbruch wagen, aber alles soll so bleiben wie es ist. ;-) Diese Erfahrung mache ich im Moment in meiner Kirchengemeinde und der Wind, der mir aus mancher Richtung ins Gesicht bläst ist eisig.
      Im Netz nehme ich Ähnliches wahr. Viele Netzpioniere trauern den Anfängen nach und träumen von alten Zeiten. Ich kenne die Anfänge nicht. Kam erst spät ins Netz und kann vielleicht deshalb auch nicht so gut mitreden. Doch auch in diesem Raum wird man nicht umhin kommen immer wieder neue Pfade zu beschreiten. Es liegt zwar in der Natur des Menschen an dem festhalten zu wollen, was sich nach eigener Auffassung in der Vergangenheit bewährt hat. Doch die Zeit bleibt auch im Netz nicht stehen.

      Das Leben lieber Ewald steckt voller Anfänge, selbst im fortgeschrittenen Alter noch, nicht wahr? ;-) Erst neulich hatte ich ein nettes Gespräch mit einer 75 Jahre alten Frau „Frau Schwemlein, ich hätte nie geglaubt, dass mein Leben noch einmal so bunt werden würde.“ Solche Begegnungen machen mir Mut und eine unbändige Lust auf das was kommt.

      Liebe Grüße und ach ja, selbstverständlich bleiben wir beide weiterhin beim “DU”. :-)
      Christa

  4. Ewald sagt:

    Liebe Christa,
    zu- und hinhören ist eine Tugend die man immer wieder üben muss. Es ist so laut in der Welt geworden. Die leiseren Tönen gehen da schon mal verloren. Meine Yogalehrerin hat oft gesagt, dass das Wesentliche in der Stille geschieht. Dem ist nichts hinzuzufügen.
    Was das Annehmen von Veränderungen angeht, bin ich gewissermaßen auch etwas ambivalent. Und das Gedicht von Hesse ist für mich manchmal wie ein Lebensziel und dann wieder eine Provokation. Es gibt in der Evolution die These der Neurobiologen die besagt, dass die Saurier ausgestorben sind weil sie nicht fähig waren sich anzupassen. Danach hat nur eine echte Lebenschance wer mit Veränderungen positiv umgehen kann. Widerstand macht Stress und kostet Kraft.
    Das wäre wohl die Einsicht. Auch damit hat Hesse in dem Schluss des Gedichtes recht, wenn er sagt.
    ” es wird vielleicht auch noch die Todesstunde uns neuen Räumen jung entgegensenden,
    des Lebens Ruf an uns wird niemals enden… Wohlan den Herz nimm Abschied und gesunde!”
    Was ist das nun? Hoffnung, Glaube, Vertrauen? vielleicht Ziel?
    Trotzdem fühle ich mich mit diesen Worten immer auch ein Stück weit provoziert. Wie gesagt, ambivalent halt.
    Vielleicht ist das aber auch gut so. “Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…..”
    In diesem Sinne den Weg des Lebens weitergehen können, obwohl oder gerade weil Leben an sich Veränderung ist.
    Das wünsche ich mir.
    Sei herzlich gegrüßt
    Ewald

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